Baumhaus - purissimo

Als die Bauherrin und Anna Philipp sich zum ersten Mal in Schloss Waldenburg begegneten, kam auf den ersten Blick eine Verbindung von Herz zu Herz zustande. Es war der Beginn einer freundschaftlichen Beziehung, die das Fundament für eine außergewöhnliche Zusammenarbeit bildete.

„Wenn ich entwerfe, so Anna Philipp, dann immer mit dem Focus auf die Menschen für die ich baue und den spezifischen Ort an dem ich baue. Für mich war es ein Privileg für eine solch starke Familie das Zuhause gestalten zu dürfen. Die Wertschätzung und das mir von Beginn an entgegengebrachte Vertrauen waren außergewöhnlich und haben meiner Inspiration Flügel verliehen.“

Dabei ist der Ort an dem die Villa Fröschle entstand sicher kein Standort, der das Prädikat Triple A verdient hat. Das bedeutet nicht, dass das Grundstück keine reizvollen Attribute besitzt; jedoch waren diese durch einen unmittelbar im Süden angrenzenden Gewerbebetrieb und die zweiseitig umlaufende Straße massiv beeinträchtigt. Gemeistert hat Anna Philipp diese Herausforderung in dem Sie das Gebäude wie auf einem grünen Hügel am höchsten Punkt im Gelände platziert hat. Als zweite wesentliche Maßnahme hat sie die Lebensräume vom Erd- bzw. Gartengeschoss in das erste Obergeschoss verlegt.

Dem lebhaften Treiben enthoben, spannt sich im Obergeschoss ein über 20 m tiefer, ruhiger, loftartig anmutender Wohnraum auf. Durch eine äußerst filigrane, rahmenlose und raumhohe Verglasung geht der Blick in die Baumwipfel und weiter bis zu einer Burg am Horizont auf der anderen Seite des Tales. Das Lebensgefühl im Zentrum der Villa entspricht dem eines modernen Baumhauses. Dem Alltag entrückt, bewegen sich die Bewohner des Hauses in einem grünen Naturraum.

Zu Straße dagegen schottet sich das Gebäude mit zwei geschlossenen und zueinander versetzten weißen Wandscheiben ab; in deren Fuge sich seitlich geschützt der Hauseingang befindet. Beim Betreten des Foyers weitet sich jedoch dann der Blick unmittelbar in den im Süden angrenzenden Atriumgarten. Dort hat die Architektin durch die Positionierung des Baukörpers zur Rückseite einer angrenzenden Industriehalle hin und durch zwei schlichte Sichtbetonwände ein introvertiertes Refugium für die Bewohner erschaffen. Das blaue Wasser des Pools, eine grüne Wiese, ein markanter Hausbaum und ein großzügiges Terrassendeck aus Holz bilden die Essentials dieses intimen und nicht einsehbaren Gartenatriums. Praktisches Detail am Rand: Das mobile Holzdeck lässt sich im Winter über den Pool fahren und schützt diesen vor Laub und anderem Eintrag.

Von hier führt die großzügige Treppe oder der zentrale Aufzug in die darüber liegenden Wohngeschosse bzw. die darunterliegende Garagen- und Technikebene. Ansonsten finden sich im Gartengeschoss noch zwei Gästezimmer für die beiden erwachsenen Kinder der Familie und eine Art „Black-Box“ als Bandprobenraum bzw. Musikzimmer. Dort trifft sich die äußerst musikalische Familie immer wieder für gemeinsame Jam-Sessions oder um mit Karaoke die eine oder andere Party gesellig ausklingen zu lassen.

Das Thema Musik zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Wohnhaus. Im Obergeschoss sind es der klassische Flügel und das Cello, die zentral an der Schnittstelle von Wohnen und Essen platziert wurden. Über die Treppe zur Skylounge auf dem Dach dringt Tageslicht in das Zentrum der Lebensräume. Weiß dominiert auch hier als Farbe in Kombination mit einem Fußboden in Sichtbetonoptik. Dennoch ist es Anna Philipp und ihrem Team durch den sensiblen Materialmix, unterschiedliche Oberflächen und eine differenzierte Haptik gelungen eine Wohlfühlatmosphäre zu erschaffen.

Als zentrales und verbindendes Element zieht sich ein über 15 Meter langes Sitzfenster vis a vis der Baumwipfel durch den loftartigen Raum. Wie der lange Esstisch, die Küche einschließlich der angrenzenden Backup-Küche, die Bibliothekswand, die Hausbar, die gesamte Ankleide und viele weitere Einrichtungsdetails wurde diese von Anna Philipp speziell für das Haus Fröschle entworfen und gestaltet. Für die Architektin ist es essentiell nicht nur die Architektur, sondern immer auch das gesamte Interior Design zu planen. „Unser Team erarbeitet sich jeden einzelnen Raum mit allen Details, der Einrichtung, dem Lichtkonzept bis hin zur Ausstattung mit Kunst“ betont die Architektin mit großer Leidenschaft und Freude.

Über der Küche befindet sich ein begehbares Glasdach. Durch eine Pergolen ähnliche Konstruktion projiziert es im Verlauf des Tages ein spannendes und abwechslungsreiches Spiel von Licht und Schatten auf die darunter liegenden Küchenarbeitsflächen. Hinter einem der vermeintlichen, in einheitlich schlichten Weiß gehaltenen Küchenschränke verbirgt sich der Zugang zum privater Trakt der Bewohner mit Ankleide, Masterbad und Schlafzimmer. Letztere sind der aufgehenden Sonne entgegen nach Osten hin orientiert. Der Baukörper des Obergeschosses kragt hier weit über das darunterliegende Gartengeschoss aus und endet in einem über die gesamt Gebäudebreite laufenden Balkon.

Im wahrsten Sinne des Wortes das Highlight bildet die Skylounge auf dem Dach der Villa Fröschle. Sie beherbergt ein kleines zurückgezogenes Arbeitszimmer, die Hausbar und ein gemütliches Kaminzimmer. Ein einzigartiger Ort an den sich der Bauherr gerne in den Arbeitspausen zurückzieht. Hier oben ist man dem Alltag und allem geschäftigen Treiben völlig entrückt. Der Himmel erscheint näher als die Erde. Umgeben ist die Lounge von einer großen, umlaufenden Dachterrasse, die durch die brüstungshohe Attika einen perfekten Sichtschutz gewährt. Dort lässt sich ganz entspannt ein 360°-Rundumblick über den Dächern oder ein Sundowner–Drink vor dem Zubettgehen genießen.